Wein getestet bei der Weingärtner Markelsheim eG – ein tolles Erlebnis

Weinkeller der Weingärtner Markelsheim eG

Im Rahmen einer Einladung vom Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ e.V., vermittelt via dem Social Channel Marketeer hallimash (Werbelink. Claim: Geld verdienen mit Blogs) durfte ich auch bei den Weingärtner Markelsheim eG zu Gast sein. Und das war ein sehr überraschender Abend – eigentlich hätte es um 16.30 Uhr los gehen sollen, durch ein Mißverständnis dann tatsächlich erst um 18 Uhr. Doch statt der geplanten Stunde, wurden dann knapp drei Stunden daraus. Warum, das erfährst Du im Folgenden:

Die Kellerführung und die Geschichte zur Weingärtnergenossenschaft Markelsheim

Glück im Unglück – die Mädelstruppe, die mir zum „Anschliessen“ der Führung vorgeschlagen wurde, war ein Junggesellinnenabschied: Und ich bekam doch noch meine eigene Führung. Kein geringerer als der geschäftsführende Gesellschafter Michael Schmitt führte mich durch den Keller – mit der Abkürzung direkt zum Weinkeller, damit wir die andere Führung nicht stören.

Weinkeller der Weingärtner Markelsheim eG

Weinkeller der Weingärtner Markelsheim eG

Wie Du siehst, wird der Wein dort sowohl in Fässern als auch in Tanks gelagert…

Michael Schmitt weiss so viel zu erzählen, dass ich in meinen Notizblock kritzel wie blöde – und jetzt davor sitze und nichts mehr lesen kann. Immer wieder dasselbe mit mir… Teile die ich noch lesen kann, sprechen von einer bewegten Geschichte des Weins im Taubertal. So gehörte es im Mittelalter zur größten zusammenhängenden Weinlandschaft Europas.

Das „Liebliche Taubertal“ war auch im 30-jährigen Krieg recht beliebt – zwar strategisch uninteressant, aber die Truppen waren gut zu versorgen, so dass diese mehrfach hin und her zogen.

1809 löste Napoleon den Deutschen Orden auf, auf dessen Gebiet viele der Weinanbaugebiete hier in der Gegend lagen und übereignete das Gebiet an den Herzog von Württemberg.

Überall an den Hängen sind Weinstöcke zu sehen, nicht nur auf der Südseite. Oft wurde hier früher weniger auf Qualität geachtet – die Quantität war wichtig. Heute hat sich das stark gewandelt – Wein wird eigentlich nur noch in den besten Lagen angebaut.

Später wurden dann anstelle des Weines auch oft Streuobstbäume auf diesen Flächen angebaut.

Im Laufe der Jahre schlossen sich deutschlandweit immer mehr Winzer in Genossenschaften zusammen – der pure Überlebenswille stand hier dahinter. Der Keller hier stammt so bereits aus dem Jahr 1898, nachdem sich zunächst 52 Winzer zu der Genossenschaft zusammenschlossen – und im Laufe der Jahre wurden hier immer mehr Grundstücke von der Genossenschaft nachgekauft.

Bei den Weingärtner Markelsheim sind heute rund 300 Weingärtner aus 7 Weinanbaugebieten zusammengeschlossen, um gemeinsam Ihren Wein zu produzieren und zu vermarkten. Nur zwei Selbstvermarkter gibt es hier. Alle Trauben der Weingärtner, die in einer Genossenschaft zusammengeschlossen sind, müssen hier abgegeben werden.

„Wussten Sie, dass man auch Wein „verschneiden“ darf?“

Das überraschte mich dann doch als wir irgendwie während unseres Gesprächs auf Whisky kamen und ich meinte, dass es bei Supermarktwhiskys ja darauf ankommt, dass die immer gleich aussehen und gleich schmecken. Beim Wein dürfen wohl 15 % aus anderen Weinsorten stammen, ohne dass das angegeben werden muss (ich hoffe, ich habe mir das richtig notiert…). In säurestarken Jahren wird daher mit eher stark restsüssen Weinen gemischt, so dass die Unterschiede nicht all zu heftig ausfallen.

Eine kleine Weinprobe bei den Weingärtnern Markelsheim

Nicht nur die Kellerführung gab es, nein, wir setzen uns auch noch an einen Tisch, oben im Verkaufsraum und ich wurde gefragt, ob ich denn auch einen Wein probieren wolle.

Verkaufsraum bei den Weingärtner Markelsheim eG

Verkaufsraum bei den Weingärtner Markelsheim eG

Wie könnte ich da nein sagen, wo ich doch schon den ganzen Tag unterwegs war und viel durch die Weinberge pilgerte (mehr dazu bald im Reiseblog).

Los ging es mit einem vorzüglichen Grauburgunder, was derzeit sowieso meine favorisierte Weinsorte ist, wenn es ein kühler Weißwein sein soll. Und der war wie schon erwartet, auch sehr lecker. Doch damit nicht genug, es ging immer weiter und so verkostete ich sehr viele Sorten, als nächstes dann einen Weissburgunder (damit kann ich mich zugegebenermaßen nicht wirklich anfreunden).

Grauburgunder und Weißburgunder

Grauburgunder und Weißburgunder

Michael Schmitt erzählte zu allen Weinen sehr viel Hintergrund, doch hier genoß ich lieber die Wein als dass ich groß Notizen machte. Ich kann Dir eh nur empfehlen, selbst eine Führung bei den Markelsheimer Weingärtnern mitzumachen – das lohnt auf alle Fälle. Und in die Weine kann man sich verlieben… Immer wieder schweiften wir ab in unseren Erzählungen – ein klein wenig hatte ich ja auch schon über Wein gehört in meinem Leben, war selbst auch schon zweimal Helfer bei einer Weinlese. Und so kamen wir auch auf meine „Weingeschichte“, die wie bei vielen, mit süssen Weinen wie Lambrusco und Gewürztraminer begann. Das war ein Anlass, eben mal schnell einen lieblicheren Wein dazwischen zu schieben und so gab es einen Bacchus, eine Rebsorte, von der ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt ;) Und doch, auch wen ich mittlerweile auf trockenen Wein stehe, gut gekühlt schmeckt der nicht uninteressant!

Zwischendurch erzählte mir Herr Schmitt eine Geschichte, die sehr deutlich zeigt, wie wertschätzend er und seine Mitarbeiter mit den Gästen der Weingärtner Markelsheim umgehen.

Vor einem abendlichen Jazzkonzert bei den Weingärtner waren nachmittags einige ältere Leute zu Gast und sassen draussen auf den schon aufgebauten Tischen und genossen gemeinsam eine Flasche Wein. Als er kurz dort vorbei kam und fragte, ob alles in Ordnung sei und ob sie denn bis abends zum Konzert bleiben wollen, meinten sie: „Nein, so lange wollten wir nicht bleiben. Der Wein ist gut, aber langsam wird der leider ein wenig warm“. Ob es denn einen Weinkühler gäbe?

Herr Schmitt zögerte nicht lange, ging hinein und nahm einen Weinkühler zur Hand. Zuckte mit den Schultern (ich kann mir das nach unserem Gespräch bildlich vorstellen), nahm eine frische Flasche Wein und brachte diese den Gästen. Die dachten (und sprachen es auch aus), dass er sie falsch verstanden habe. Sie hätten keinen frischen Wein haben wollen, nur einen Kühler. „Der geht auf`s Haus“, war seine Antwort. Sichtlich erfreut nahmen sie den Wein entgegen und er ging nach Hause.

Da könnte die Geschichte zu Ende sein – doch es ging noch weiter. Als er zwei Stunden später wieder kam, sassen sie immer noch da. Ihnen habe es so gefallen, da wollten sie dann doch noch ein wenig bleiben. Herr Schmitt fragte nach, ob sie denn Lust hätten, mal die Keller zu besichtigen, wenn sie schon so lange ausharrten – auch dieses Angebot nahmen sie gerne an.

Und dann eine überraschende Wendung:

„Ich muss Ihnen jetzt was gestehen“

sagte der eine der Herren. „Ich bin Weinhändler. Und wollte mal inkognito schauen, was Sie hier so anbieten. Um eventuell von Ihnen Wein zu beziehen. So, wie Sie sich um uns gekümmert haben, obwohl sie das nicht wissen konnten, das ist beeindruckend.“
(frei aus meiner Erinnerung der Geschichte wiedergegeben)

Und so wurde aus der für die Markelsheimer Weingärtner, denen deutlich bewusst ist, dass sie von Ihren Gästen leben, typischen Gastfreundschaft auch noch ein interessantes Geschäft.

Und weil wir schon bei süßen Weinen waren – die sind heute wohl auch weiter bei jungen Leuten gefragt und so wurde Malie entwickelt: Das ist nichts anderes als eine Wortkreation, zusammengesetzt aus „Ma“rkelsheimer „Lie“blicher (Wein), der sehr gut bei den jungen Weintrinkern ankommt. Ich gestehe: Mich schüttelt es dabei (aber ich mochte ja früher auch Lambrusco aus dem Supermarkt und Gewürztraminer).

Dann kam dafür ein wahrer Genuß für mich – wieder eine Sorte, von der ich noch nie gehört hatte: Acolon.

WanderSueden_Jakobsweg_Tauberbischofsheim-Niederstetten_107

Diese noch junge Sorte, die in Baden-Württemberg gezüchtet wurde, hat es mir echt angetan. Von der trank ich dann auch mehr als ein Glas – und wurde am Ende auch noch mit einer Flasche zum Mitnehmen bedacht, nachdem ich erzählte, dass ich Freunde habe, die der Meinung sind, deutscher Rotwein sei einfach nichts. Und dass der sogar was für die sein könnte.

Nebenbei lernte ich noch, dass es zwar schön aussieht, wenn Rose in weißen Flaschen präsentiert wird – sinnvoller wären aber grüne oder braune Flaschen (gibt sich nichts!), die das Licht abhalten.

Und dass Tauberschwarz die einzige deutsche Rebsorte ist, die nach ihrer Lage benannt ist. Die wieder sehr viel Aufschwung erfährt – und im Gegensatz zu früher in sehr guter Qualität angebaut wird. Tauberschwarz ist nicht so einfach zum Anbauen, da die Traube eine sehr dünne Haut hat und daher sehr anfällig für Grauschimmelfäule ist.

Das Internet wird  auch für die Markelsheimer Weingärtner immer wichtiger – immerhin bereits rund 10-15 % der Weine werden online bestellt. Oft von zufriedenen Gästen, deren Mitgebrachtes aufgebraucht ist. Und so schließt sich der Kreis zu diesem Blog – denn auch bestelle hin und wieder Wein. Und sobald ich mit meiner Low Carb Abnehmgeschichte mein Zielgewicht erreicht habe und ab und an auch mal wieder abends einen Wein trinken kann, dann werde ich sicher eine nicht geringe Anzahl von den Acolon Flaschen bestellen :)

Fakten zu den Weingärtnern Markelsheim eG

Weingärtner Markelsheim eG
Vorbach-Tauber
Scheuerntorstraße 19
97980 Bad Mergentheim / Markelsheim
Tel.: 07931 / 90 60 – 0
Fax: 07931 / 90 60 30
E-Mail
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Öffnungszeiten des Weinverkaufs
Mo – Fr: 9.00 – 12.00 und 13.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 9.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr
Sonntag (von 16.03 – 28.12.2014): 10.00 – 16.00 Uhr

Disclosure:

Über den Multi Channel Marketeer wurde ich vom Tourismusverband „Liebliches Taubertal e.V.“ eingeladen, drei Tage auf dem Jakobsweg zwischen Tauberbischofsheim und Niederstetten zu pilgern. Im Rahmen dieser Einladung erfolgte auch der Besuch der Markelsheimer Weingärtnern. Inhaltliche Vorgaben zu dem erwarteten Blogpost zum WanderSüden gab es wenig – zu den Weingärtner gar keine (nicht einmal die geäußerte Erwartung, dass ich darüber schreibe). 400 Wörter über das Wochenende war eine der Erwartungen.

Damit solltest Du sehen, dass ich mich von Vorgaben nicht beeinflussen lasse. Allein dieser nicht erwartete Beitrag ist gerade schon über 1.500 Wörter lang – und entspringt meiner echten Begeisterung. Und so wurden auch aus der Stunde Führung dann knapp drei Stunden…


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7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Hubert,

    das war sehr interessant zu lesen! Leider kenne ich mich mit Wein noch nicht so gut aus, wie ich es gerne würde, da ich jahrelang das Bier dem Wein vorgezogen habe, aber dein Blog hilft doch, die ein oder andere Sache besser zu verstehen – vielen Dank dafür an dieser Stelle. :)

    Da du hier ja den vielfach kritisierten Lambrusco ansprichst – ich bin da absolut einer Meinung mit dir, das Zeug aus dem Supermarkt schmeckt idR wie „Plörre“, wie man hier im Rheinland so schön sagt. ;) Jedoch fand ich zum Thema Lambrusco diesen Artikel hier recht informativ:
    http://www.emilia.de/lambrusco-wein.html – es geht u.A. darum, dass der Wein auch deutlich besser sein kann als sein Ruf. Sehr spannend, bin noch nicht dazu gekommen, mich selbst davon zu überzeugen.

    Lieben Gruß
    Martin

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